[Literaturtermine] Nach der Frankfurter Buchmesse ist vor der Frankfurter Buchmesse

BW-hoch140613_02Vom 12.11. bis zum 6.12. finden die 65. Stuttgarter Buchwochen im Haus der Wirtschaft statt. Das diesjährige Gastland ist Großbritannien.

Die Buchwochen werden vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Landesverband Baden-Württemberg e.V. und dem Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg veranstaltet.

Großbritannien wird von Autoren wie Jasper Fforde, Elizabeth Gilbert, Mark Watson und Jenni Fagan vertreten. Außerdem wird es einen Roald-Dahl-Abend und eine Jane-Austen-Teaparty, sowie einen englischen Krimiabend geben. Cardiff, die Heimatstadt Dahls, ist eine der Partnerstädte Stuttgarts.

Die Buchwochen sind Deutschlands größte regionale Buchausstellung. Dieses Jahr wird sie durch das Sonderthema Graphic Novels bereichert. Außerdem wird es eine EBook-Sprechstunde geben. Für Kinder und Jugendliche gibt es auch ein Programm, das am 6.12. mit der Veranstaltung „Bald ist Weihnachten“ zu Ende geht.

Literatur im Internet wird vom #bookup am 11. November und einigen Veranstaltungen berichten:

Am 26. Oktober wird im Rahmen der Buchwochen der Jugendsachbuchpreis verliehen. Das ist der einzige überregionale Buchpreis, der ausschließlich Sachbücher im Fokus hat. Er wird vom Verein für Leseförderung e.V. initiiert und vergeben. Die Jury besteht aus einzelnen Erwachsenen und Tandems aus Erwachsenen und Kindern (Vater/Kind, Oma/Enkel,…). Neben den Neuerscheinungen des Jahres 2015 werden auch Neuauflagen und einzelne Titel aus Reihen berücksichtigt. Der Jugendsachbuchpreis dient der Leseförderung. Die PISA-Studie von 2000 ergab, dass nur 42% der 15-jährigen aus Spaß am Lesen an sich lesen. Die Titelauswahl soll Jugendliche, vor allem Jungen, zum Lesen verlocken. In den drei Kategorien Original-, Lizenztitel und Sachbuch plus werden jeweils die Autoren des Siegertitels mit 1000€ honoriert.

Am 25. November lädt die Hochschule der Medien zur Podiumsdiskussion „Stadt ohne Bücher“ ein. Studierende des Ver lagsstudiengangs Mediapublishing an der Hochschule der Medien haben dazu ein multimediales Projekt realisiert: Buchmenschen aus Stuttgarter Verlagen diskutieren, welche Auswirkungen der Verlust gedruckter Bücher für sie und für die Gesellschaft haben könnte. Die Studierenden unterstützen dies mit Videoclips, Spielszenen und einer Fotoausstellung. Der Eintritt ist frei.

 

Hier sind für Statistikfans noch einige Zahlen, die im Zusammenhang mit den Buchwochen veröffentlicht wurden und die untermauern, wie wichtig die Stuttgarter Buchwochen für die Branche sind.

2014 konnten sich die Verlage im Print- und Digitalgeschäft behaupten und der stationäre Handel entwickelte sich besser als der Onlinehandel. 2014 erwirtschaftete der stationäre Buchhandel 4,58 Mrd. (2013: 4,64 Mrd.) Die Sortimenter haben 2014 Marktanteile zurückerobert und sind wieder nah an der 50%-Marke. Hingegen hat der Onlinehandel einen Umsatzrückgang von 3,1%, weil er 2014 nur einen Marktanteil von 16,2% hatte. So sind die Sortimenter 2014 der Sieger gewesen. Auch das Direktgeschäft der Verlage nahm um 1,5% zu. Die Verlagsbranche macht weiterhin den größten Anteil der Umsätze im Süden und im Westen der Republik. Nach Nordrhein-Westfalen ist Baden-Württemberg das Bundesland mit dem zweitgrößten Umsatz der ansässigen Verleger. 2014 erschienen 87.100 (2103: 93.600) Titel in Deutschland. Auch die Zahl der „echten Novitäten“, also der Erstauflagen sank: 2014 waren es 73.863 Titel, 9,8% weniger als im Vorjahr. 2014 stammten 15,6% der Novitäten aus Baden-Württembergischen Verlagen.

Dubellstvordemfalschenbaum300Über Judith Holofernes Blog (der jetzt auch die Seite „Lesungen“ enthält), bin ich auf das Freiburger Literaturgespräch aufmerksam geworden:

Das 29. Freiburger Literaturgespräch findet in diesem Jahr von 12. bis zum 14. November statt. Am ersten Tag wird die Veranstaltung mit einer Lesung von Peter Bichsel eröffnet. Weitere Lesungen am Freitagnachmittag und Samstag tagsüber im Ratssaal des Neuen Rathauses. Daneben wird es eine Lyrik-Werkstatt für Studierende sowie eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sprache, aber welche? Literatur und Theater: Neue Projekte von Aufbruch und Ankunft“ am Freitag geboten. Judith Holofernes wird dieses Jahr eine Late-Night-Lesung am 13.11. um 22:30 geben. Außerdem wird es erstmals Lesungen in Freiburger Schulen geben. VVK-Karten gibt es im Museum für Stadtgeschiche, Wentzingerhaus, Münsterplatz 30, erhältlich. Täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr.

LBM16_LeipzigLiest_rgbNatürlich darf der Hinweis auf die Publikumsmesse im März nicht fehlen. Die Leipziger Buchmesse findet nächstes Jahr vom 17. bis 20. März statt.

[Interview] Norman Ohler: Der totale Rausch.

Ohler_Rausch_fbm15_2Auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich die Gelegenheit, mit Norman Ohler über sein neues Buch Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich zu sprechen.

 

Warum hat ihr Buch statt eines Vorwortes einen Beipackzettel?

Es ist mein erstes Sachbuch und ich bin ja von Haus aus Romanschriftsteller. Von daher versuche ich immer sehr lebendige und lustige oder anrührende oder emotionale Bücher zu schreiben. Beim Sachbuch hatte ich mir von Anfang an vorgenommen, dass es kein langweiliges historisches Sachbuch wird. Statt eines Vorwortes, das sozusagen die langweilige oder die konventionelle Form gewesen wäre, habe ich etwas anderes versucht.

Das ganze Buch handelt von Drogen im Dritten Reich und könnte vielleicht auch wie eine Droge funktionieren. Oder wie ein Arzneimittel, weil es auch heilsame Effekte haben könnte. Dadurch könnte man die Zeit des Dritten Reichs vielleicht ein bisschen besser verstehen. Deswegen habe ich das Vorwort „Beipackzettel“ genannt.

 

Welches Verhältnis haben Literatur und Historiographie in ihrem Buch?

Weil es mein erstes Sachbuch war, habe ich mich auch damit auseinander gesetzt, was ein Sachbuch überhaupt ist. Das Genre behauptet ja, dass darin Wahrheit verhandelt wird und dass es da um Fakten geht und dass das alles nachprüfbar ist. Ich stehe diesem Ansatz als Romanschriftsteller etwas skeptisch gegenüber, weil ich denke, dass letztlich alles Fiktion ist.

Natürlich basiert ein Sachbuch immer auf Quellen. Das ist im totalen Rausch auch so. Es gibt ja einen umfänglichen Apparat. Und dann werden diese Quellen natürlich von Historikern interpretiert. Im Grunde wird ja von Historikern letztlich immer „nur“ Literatur geschaffen. Und deshalb sage ich auch, dass der totale Rausch Literatur ist. Das hat der Spiegel ja auch richtig so erkannt.

 

Pervitin wurde als Kokurrenzprodukt zu Coca-Cola beworben. Was ist das?

Pervitin ist ein Produkt, das 1937 von den Temmler-Werken in Berlin patentiert wurde. Das war damals ein Arzneimittel, das man in der Apotheke kaufen konnte. Der Wirkstoff von Pervitin war Methamphetamin.

Diesen Stoff kennt man heute als Crystal Meth. Das ist eine sehr starke Droge, aber das wusste man damals noch nicht. Man wusste nur, dass man davon erstmal wach und glücklich wird. Von daher ist das wie eine Coca-Cola, aber ungefähr 100x stärker.

 

Wie ging man mit Nebenwirkungen & Risiken um, sofern die überhaupt schon bekannt waren?

Zunächst einmal war vor allen Dingen die belebende Wirkung relativ schnell bekannt. Man hat an Nebenwirkungen noch nicht gedacht. Man dachte nicht, dass Pervitin eine Droge ist. Man hat das wie so eine Art Allheilmittel gegen alles Mögliche eingesetzt. Als sich dann irgendwann herausstellte, dass es auch Nebenwirkungen gibt, da war man erstmal verwundert. Vorher haben sich auch die deutschen Universitäten fast nur löblich sich über das Pervitin geäußert.

Erst nach zwei bis drei Jahren Verbreitung auf dem Markt hat man sich die Nebenwirkungen genauer zur Brust genommen. Im Herbst 1939 wurde es rezeptpflichtig und im Sommer 1941 wurde es dann sogar unter das Opiumgesetz gestellt und war dann eine illegale Droge.

 

Wie passt Pervitin zu einem Staat, in dem Drogensüchtige ins KZ kamen und in dem Hitler sich als Abstinenzler präsentierte?

Es zeigt eine weitere Scheinheiligkeit des NS-Regimes, das nach außen hin die Drogen verteufelt hat. Pervitin, was sie zunächst nicht als Droge deklariert haben, wurde systemstabilisierend eingesetzt.

Wenn man sich Hitler anguckt, sieht man auch da, dass er bis zum Ende behauptet hat, dass er Abstinenzler, also auch Vegetarier, sei und äußerst gesund und genügsam lebe. Wenn man sich anschaut, was er konsumiert hat, stellt sich das absolute Gegenteil heraus. Er hat nämlich tierische Hormoninjektionen bekommen, also er war überhaupt kein Vegetarier. Er hat sich Schweineleberextrakte intravenös applizieren lassen. Außerdem hat er sehr viele klassische Drogen genommen, wie zum Bespiel das Eukodal, was ein Abkömmling des Opium ist.

 

Was änderte sich nach dem Attentat an Hitlers Drogenkonsum?

Der Drogenkonsum wurde nach dem Attentat noch sehr viel schlimmer, als er davor schon war. Direkt nach dem Attentat von Stauffenberg fing Hitler an, Kokain zu nehmen. Von Anfang August bis Anfang Oktober 1944 hat er sehr viel Kokain genommen, um sich sozusagen wieder aufzubauen. Er war durch das Attentat doch ziemlich niedergestreckt, obwohl er nicht schwer verletzt war. Seine Verletzungen waren sehr schmerzhaft und er betäubte sie mit Kokain. Das sollte ihn wieder fit, glücklich und euphorisch machen.

Im September und Oktober 1944 kam dann noch verstärkt Eukodal hinzu, eines der schwersten Betäubungsmittel, die es überhaupt gibt. Es ist mit dem Heroin verwandt. Das hat Hitler dann genommen, um eine euphorische Grundstimmung beizubehalten, die er gerade in den Lagebesprechungen brauchte, als ihm die Generäle immer wieder erklären wollten, dass der Krieg doch schon längst verloren sei.

 

Von der Oma einer Freundin habe ich gehört, dass sie in der Nachkriegszeit sogenannte Hallo-Wach-Pillen genommen hat, die ihr dazu verholfen haben, innerhalb einer Woche nur elf Stunden zu schlafen und ansonsten durchzuarbeiten. War nach dem Zweiten Weltkrieg und der Naziherrschaft also nicht Schluss mit dem Pervitinkonsum?

Ich habe mir Statistiken angeschaut. Die Pervitinverkaufszahlen gehen in den 50er Jahren wieder nach oben. Als Deutschland in Trümmern lag, gab es noch sehr viel Pervitin auf dem Schwarzmarkt. Die Wehrmacht hatte ja sehr viel davon eingekauft, aber es kam wohl nicht alles zum Einsatz. Das ging dann in den Schwarzmarkt.

Ich habe auch schon mehrfach gehört, dass dieses Pervitin als Hallo-Wach-Pille in der Bevölkerung bekannt war. Das heißt, das deutsche Wirtschaftswunder der 50er Jahre basiert auch auf einer massenhaften Pervitineinnahme. Ob der Wirtschaftsminister Erhard das selbst genommen hat, weiß ich aber nicht.

 

Welche Bedeutung hatte Pervitin für das Militär?

Es hatte eine entscheidende Bedeutung, weil die Müdigkeit der größte Feind des Soldaten ist. Pervitin vertreibt die Müdigkeit. Deswegen hat die Wehrmacht beim Überfall auf Polen Pervitin zum ersten Mal massenhaft eingesetzt. Beim Überfall auf Frankreich, Holland und Belgien wurde es sogar planmäßig eingesetzt. Das heißt, es wurde vorher genau geplant, wie viele Tabletten besorgt werden und wie die verteilt werden.

Es wurden 35 Millionen Tabletten nur für den Frankreichfeldzug geordert und verteilt. Von daher war das Pervitin für die Wehrmacht sozusagen die pharmakologische Wunderwaffe.

 

Sie haben mit einem hochrangigen Vertreter des Sanitätsdienstes der Bundeswehr gesprochen. Wie steht die Bundeswehr zum Konsum von Aufputschmitteln und Drogen?

Der wehrmedizinischen Beirat der Bundeswehr debattiert seit einer Weile, ob leistungssteigernde Mittel eingesetzt werden. Ein offizielles Ergebnis gibt es noch nicht.

 

Dertotalerausch300Verändert Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich die Gesamtsicht auf das Dritte Reich und Hitler, der laut ihrem Buch ein Polytoxikomane war?

Ja, ich denke: Auf jeden Fall! Man kann das Dritte Reich im Grunde besser verstehen, wenn man das Buch liest. Wenn man diese Sachlage nicht zur Kenntnis nimmt, entgeht einem eine wichtige Komponente, ohne die man diese Zeit nicht verstehen kann.

 

 

Ohler, Norman: Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2015. 268 Seiten (19,99€)

 

Herzlichen Dank an Herrn Ohler für das Gespräch und an Frau Maier von Kiepenheuer & Witsch für die Organisation. Bald erscheint hier ein Lesebericht zum Buch, es ist wirklich fesselnd!

Das Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels

lieblingsbuch shortlist

Irmgard clausen anmod

Irmgard Clausen, Agentur für Lesevergnügen

Die Veranstaltung am Buchmessefreitag begann mit der Rede von Irmgard Clausen. Sie ist die Vorsitzende der Aktionsgruppe der Woche der unabhängigen Buchhändler, die vom 14.-22. Novmeber stattfinden wird (darüber bald mehr). Die Preisverleihung war die die Auftaktveranstaltung für diese Woche.

Siv Bublitz lieblingsbuch

Dr. Siv Bublitz, Ullstein Verlag

Darauf folgte eine kurze Rede von Dr. Siv Bublitz vom Ullstein Verlag, der das „Lieblingsbuch“ sponsert. Sie berichtete von ihrer Reise durch die USA, bei der sie viele Buchländen besuchte. Obwohl Amazon ein starker Gegner ist, konnte der unabhängige Buchhandel dort 20% zulegen. Sie ist auch hier mehrere Monate durch den Buchhandel gereist und lobte in ihrer Rede die schöne Ausstattung der Buchläden. Seit es EBooks gibt, haben wieder mehr Menschen den Wert des Buches an sich entdeckt. Für den Buchhandel ist es entscheidend, dass die Ästhetik des Buches neben der bewussten Kuratierung anstelle eines Algorithmus im Vordergrund steht. Für die Auseinandersetzung mit Amazon sei es wichtig, den Kunden zu erklären, dass es die Buchpreisbindung gibt und wozu diese dient. Bublitz forderte abschließend einen Diskurs, der über die Branche hinausgeht.

Lieblingsbuch nehmen altes land

Irene Nehmen, Buchhandlung Melchers

Darauf folgten die „Liebeserklärungen“ (OTon Irmgard Clausen) an die Bücher der Shortlist: Irene Nehmen (Buchhandlung Melchers, Schwachhauser Heerstraße, HB) stellte Altes Land von Dörte Hansen (Knaus) vor. Sie betonte, dass die Themen Flucht und Vertreibung auch heute wieder aktuell sind. Jürgen Bietsch (Buchhandlung Beltz in Weinheim) hatte es Konzert ohne Dichter von Klaus Modick (Kiwi) wegen der Leichtigkeit des Erzählens angetan. Sungs Laden von Karin Kalisa (C.H. Beck) wurde durch Gabriele van Wahden (Buchhandlung van Wahden, Wermelskirchen) vorgestellt. Sie lobte die im Roman dargestellte Weltoffenheit. David Mesche (Buchbox Berlin) hatte nicht nur die Organisation der Woche der unabhängigen Buchhändler übernommen, sondern stellte auch Euphoria von Lily King (C.H. Beck) vor. Das letzte Buch war Ein tadelloser Mann von Jane Gardam (Hanser). Nicole Christiansen (Buchhandlung Christiansen, Hamburg) wies in der Vorstellung auf die Lebensgeschichte des Helden und den Zerfall des britischen Empires hin.

Am Ende gab Ronald Schild von MVB Marketing & Verlagsservice des Buchhandels den Gewinner preis. Bis zur letzten Sekunde wurde geheimgehalten, dass es sich um Altes Land von Dörte Hansen handelt.

Insgesamt war die Wahl des Lieblingsbuchs des unabhängigen Buchhandels eine gelungene Veranstaltung und vor allem eine Liebeserklärung engagierter Buchhändler an das gedruckte Buch aus Papier.

lieblingsbuch shortlist

 

Die WUB und die Auftaktveranstaltung wird von den Ullstein Buchverlagen (Hauptsponsor), RavensBuch (M. Riethmüller), Buy Local, Aufbau Verlag, Bastei Lübbe, S. Fischer, Bodensee.print, buchhandel.de und dem Börsenverein als Förderpartner unterstützt.

Die Links führen alle zu den Onlineauftritten der beteiligten Buchhändler. Sie freuen sich über realen oder virtuellen Besuch und ich verdiene nichts daran.

[#readalong #vilereaders] Evelyn Waugh: Vile Bodies #2

„What money can make, money can mend […]“ (S. 61)

vileletters1000Mittlerweile ist sogar ein roter Faden aufgetaucht, beziehungweise die Figuren sind uns teilweise schon zum zweiten Mal begegnet.

Im Mittelteil tauchen Adam und Nina wieder auf. Ersterer hat ein wichtiges Treffen und wird von seinem Gastgeber erstmal für einen Staubsaugervertreter gehalten. Sein Gesprächspartner ist im weiteren Verlauf des Treffens kurz angebunden. Ein Blick in die Zeitung offenbart später eine interessante Beobachtung über die Chefin eines wichtigen Hotels und über die Regierung und die PR des jeweiligen Hauses.

Ständig wird Kipper gegessen. Das ist eine englische Variante von geräuchertem Hering.

Auch die Engel tauchen wieder auf. Adam nimmt einen Job an und seine obskuren Ideen werden bald zum Selbstläufer. Darauf folgt wieder eine Party mit imposanter Gästeliste, auf der Outrage auf einen künftigen Krieg zu sprechen kommt. Das ist für einen Roman, dass sich eigentlich um die Bright Young Things und ihre Vergnügungssucht dreht, ein überraschend ernstes Thema. Der Roman erschien 1930, zwischen den beiden Weltkriegen.

Am Ende des mittleren Abschnitts folgt ein bemerkenswerter Dialog über das Heiraten, der wieder die Oberflächlichkeit der dargestellten Gesellschaft bestätigt.

Im Mittelteil gibt es zwar ein rotes Fädchen, aber die Figuren werden weiterhin konsequent nicht vorgestellt. Das macht die Figuren austauschbar und schwierig, der Geschichte zu folgen. Der Erzähler erzählt ausschließlich in der dritten Person, deshalb werden auch keine Gedanken und Gefühle der Figuren wiedergegeben. Außerdem kommen immer mehr Randfiguren dazu, die schwierig einzuordnen sind. Die Heerscharen von nicht näher beschriebenen Figuren passen zum Roman, weil es ja darum geht, dass die Gesellschaft der Bright Young Things oberflächlich ist. Es zeigt, dass die einzelne Person in diesem Mikrokosmos unwichtig ist. Der Roman ist voller Komik und Satire, aber der Kitt fehlt.

 

 

[Events] LiI auf der Buchmesse und auf den Jugendmedientagen

Diesen Herbst werde ich auf zwei Events gehen. Endlich bin ich vom Examensstress befreit und habe wieder Zeit für die Buchmesse in Frankfurt.

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Dertotalerausch300Mein Highlight bzw. der aufregendste Termin wird das Interview mit Norman Ohler, der über den Drogenkonsum Hitlers und der Wehrmacht geschrieben hat. Zu diesem Zweck wird es Literatur im Internet erstmals mit Ton und Bewgtbild auf Youtube geben.

Außerdem möchte ich in Erfahrung bringen, wie und was im Gastland Indonesien gelesen wird. 2013 habe ich auf der FBM mit Dolores Manzano über brasilianische Literatur gesprochen.

Ich freue mich drauf, beim Buchbloggertreffen, das von Papiergflüster und den Verlagen Klett-Cotta, Atlantik Verlag und Heyne organisiert und spondulenziert (äh, sponsoriert, nein, sponsert – running gag aus einem Bela B.-Interview) wird, mal wieder die Leute hinter den Blogs zu treffen.

PferdeRaulff300Was die Autoren betrifft, freue ich mich auf Judith Holofernes (sie ist ja leider schon ausgebucht, aber ich werde Du bellst vor dem falschen Baum vorstellen), Thees Uhlmann, Helge Schneider, Herfried Münkler, Joscha Sauer und Ulrich Raulff. Er wird sein neues Buch Das letzte Jahrhundert der Pferde. Geschichte einer Trennung vorstellen. Gestern war ich schon auf der Premiere des Buches und habe die Zusage für ein Interview nach der Messe bekommen.

Abgesehen davon werde ich auch von einigen Veranstaltungen, die sich der Schule und dem Unterricht widmen, berichten. Es ist schade, dass sich der Vortrag von Heinz Klippert über Inklusion ausgerechnet mit dem Buchbloggertreffen überschneidet.

Dieses Jahr werde ich zum ersten Mal Samstags bleiben. Ich bin gespannt, wie voll und chaotisch der Publikumstag ist. 2013 bin ich nach den Fachbesuchertagen abgereist.

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Ich habe längst eine laaaaange Liste mit interessanten Veranstaltungen und werde mir jetzt einen Terminplan basteln. Für die Filofaxnerds da draußen: Das ist mein Berkeley Slimline, ich habe ihn für kleines Geld bei einer Onlineauktion ergattert. Vorne ein langes Fach und 6 für Plastikkarten, hinten zwei lange. Es ist schade, dass Slimline nicht mehr produziert wird. Meiner Meinung vereint das Format die Vorteile von Personal (großes Papierformat) mit dem von Pocket (geringes Gewicht). Wenn man nur eine minimalistische Menge Informationen braucht,  ist Slimline die beste Wahl.

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Das zweite Event sind die Jugendmedientage in meiner Heimatstadt Bonn. Sie finden Anfang November statt. Leider waren die besten Workshops schneller als ich erwartet habe, ausgebucht, aber ich habe noch ein paar interessante Themen gefunden. Dazu mehr nach der #fbm15.

[Readalong #vilereaders] Evelyn Arthur St. John Waugh – Vile Bodies #1

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It was too thrilling to see all that dull money her father had amassed, metamorphosed in this way into so much glitter and noise and so many bored young faces.

(S. 52) Dieses Zitat beschreibt die vorherrschende Einstellung der Bright Young Things. Dieser Roman erzählt, wie junge, begüterte Londoner Geld raushauen.

Evelyn Arthur St. John Waughs zweiter Roman Vile Bodies erschien 1930. Er gehört mit Decline and Fall, Scoop und Black Mischief zu den satirischen Romanen, mit denen Waugh sich einen Namen machte. Diesen Roman haben Stephanie von Lektorat und Redaktion und ich für ein gemeinsames Readalong ausgewäht. Wer sich uns noch anschließen möchte, darf das gerne tun. Bisher haben wir die ersten vier Kapitel gelesen und das ließe sich noch aufholen.

Wie im letzten Post angedeutet, beginnt der Roman mit einer Seefahrt, auf der wir Mrs Melrose Apes und die zehn Engel kennen lernen. Sie ist eine amerikanische Jesuitin, die mit ihnen durch die Weltgeschichte tingelt. Übrigens tragen die Engel ihre Flügel in Geigenkoffern mit sich herum und haben sprechende Namen. Diese Art der Namensgebung setzt sich bei Walter Outrage, dem „Premierminister der letzten Woche“ fort. Adam Fenwick-Symes, verpasst beinahe das Ablegen. Er ist eine der Hauptfiguren, die auch noch in verwickelte Situationen geraten wird. Wir sehen ihm später zu, wie er den denkbar schlechtesten Vertrag bei seinem Juniorverleger unterschreibt.

Ein weiterer Ort ist der Salon des Shepheard’s Hotel, das von Lottie Crumb geführt wird. Dort trifft sich eine vordergründig illustre Gesellschaft. Darunter ist der König von Ruritania. Im weiteren Verlauf wird angedeutet, welcher Staat als Vorlage für dieses Land diente. Er hat jeden Sinn und jedes Maß für Geldbeträge verloren.

Nach einer ausschweifenden Party wacht eines der Partyanimals an einem Ort, wo sie besser nicht sein sollte, auf. Immerhin bemerkt sie ihren Fauxpas fast rechtzeitig.

Die ersten vier Kapitel sind von den Sprüngen zwischen verschiedenen Erzählsträngen und einer Armada von Figuren, die kaum eingeführt werden, geprägt. Wir erfahren nichts darüber, die die Bright Young Things aussehen und nicht mehr als nötig über ihren Hintergrund, der sich eher durch die Handlung entdecken lässt. Wenn Figuren näher beschrieben werden, dann eher über ihre Accessoires. Gleich zu Beginn lernen wir Father Rothschild, beziehungsweise den Koffer, den er mit auf die Reise nimmt, kennen. Diese Art der Nicht-Charakterisierung von Personen deutet an, wie oberflächlich die wohlhabende Schicht, die Bright Young Things sind.

Ein Highlight sind die Erzählerkommentare in Klammern oder in Anmerkungen mit Sternchen. Sie erklären oder kommentieren immer einen Sachverhalt oder das Verhalten der Figuren. Diese Einschübe machen dem Leser bewusst, dass der Autor die vermittelnde Instanz zwischen ihm und dem Romangeschehen ist und dass letzteres in seiner Hand liegt.

Wie Stephanie erwähnt hat, ist es dank der vielen Handlungssprünge gar nicht so einfach, der Erzählung zu folgen. Jedoch sind die Szenen auch unabhängig voneinander eine gute Lektüre. Vielleicht muss man den Roman eher wie eine Reihe von Kurzgeschichten mit wiederkehrendem Personal sehen? Ich bin gespannt, wie es weitergeht und ob wir noch einen roten Faden finden.

#vilereaders

buch vile bodiesWie Stephanie bereits letzte Woche erwähnte, hat unser Readalong zu Vile Bodies von Evelyn Waugh am 1. Oktober angefangen.

Beide Cover, Stephanies aktuelle Penguinausgabe und meine von 1982 gefallen mir, was das Cover betrifft, sehr gut: Die aktuelle mit der Fotografie und der fetten Schrift schafft den Spagat zwischen den Roaring Twenties, in denen die Geschichte der Bright Young Things spielt und der Jetzt-Zeit. Meine alte Ausgabe sieht mehr nach Vintage aus. Dabei bin ich mir nicht ganz sicher, ob das Design sich auch auf die 80er bezieht oder nur auf die 20er, für die das Kleid, die Farben und die Schriftarten stehen. Jedenfalls ist der Heiligenschein auf dem alten Cover nicht ganz zufällig dort.

Das Schiff hat den Anker gelichtet und die ersten 30 Seiten machen Lust auf mehr.

Schon im ersten Kapitel wurde der Literaturwissenschaftler in mir fündig, weil sich in einem Nebensatz eine interessante Beobachtung des Autors befindet. Darauf werde ich in meinem nächsten Post, der euch die ersten Kapitel (so spoilerfrei als möglich) näher bringen wird, eingehen.

Rückschau KW 37/38/39

{getan} Letzte Woche war ich bei Oma im Rheinland zu Besuch und habe auf dem Heimweg Stephanie von Redaktion und Lektorat getroffen. Wir hatten uns schon vor dem Treffen Vile Bodies von Evelyn Waugh (erste Überraschung: das ist auch ein Männername) als Readalong herausgepickt, weil wir es beide auf der Leseliste hatten. Ich freue mich sehr über unsere Bonn-Exil-in-Stuttgart-Connection, wir haben viele gleiche Interessen und haben ähnliche Fächer studiert. Mit hat es auch Spaß gemacht, endlich mal jemandem „aus dem Internet“ zu treffen, statt nur vor dem Bildschirm zu kleben, Hier ist Stephanies Vorschau auf Vile Bodies.

Wer sich auch für den Roman interessiert, darf sich uns naturlich anschließen.
{gegessen} Ich habe zum ersten Mal selber Lensa, Spätzle ond Saiten gekocht. Zum Ausgleich wirds mindestens drei Mal Himmel un Ääd (Stampfkartoffeln, Apfelwürfel und geräucherte Blutwurst – aus dem Rheinland) oder Bremer Labskaus (Kartoffeln, rote Beete, Fleisch mit Spiegelei drüber und Cornichons und Rollmops dran – aus Bremen).
{gesehen} Den Spielfilm und die Doku über Waffenexporte, die am 23. September in der ARD liefen. Katja Beck, die Social Media Managerin des SWR hat mich freundlicherweise per Twitter auf die Seite des SWR zum Thema aufmerksam gemacht. Dort kann man alles nachlesen und -schauen.
Und eine tolle Doku über Fallschirmjäger, die im BR lief: Zwischen Himmel und Erde. Das Making-of ist genauso interessant wie die eigentliche Doku. Es zeigt, wie kompliziert es war, die Ausbildung, die Sprünge und einen Hörsaal, der nur im Laufschritt unterwegs ist, einzufangen und dem Zuschauer nahezubringen. Das ist dem Filmteam in eindrucksvollen Bildern gelungen. „Machen Sie dies & das anders, wir haben heute sogar einen Videobeweis!“
{gelesen} Goldfinger von Ian Fleming und Das letzte Jahrhundert der Pferde von Ulrich Raulff

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{gefreut} Über jede Menge Buchpostbüchertisch1

Danke an den Kiwi-Verlag für Der totale Rausch von Norman Ohler – Ich darf ihn sogar auf der Buchmesse interviewen,
Danke an Cross Cult für Trigger Mortis von Anthony Horowitz. Das ist eine Fortsetzung der James-Bond-Serie, die sich an Goldfinger orientiert. Ich freue mich auch sehr auf Spectre, werde aber auf eine Vorführung mit Originalton warten, statt zur Premiere zu gehen.

Das Büro der Einsamen Toten vom Britta Bolt spielt in Amsterdam und Peter Hoegs‘ Der Susan Effekt erzählt von einer Frau, in deren Gegenwart alle aufrichtig werden und nicht mehr lügen kann.

{gekauft} Neue Pinsel. Ich habe nämlich von einer Freundin ihren alten Wassermalkasten aus Schulzeiten bekommen und mich am Handlettering versucht. Bis zur Messe hätte ich nämlich gerne endlich einen individuellen Header.handlettering watercolour

Für den zweiten Anlauf in Sachen Handlettering und dafür, dass das für mich als Linkshänder absurd schwierig ist, bin ich echt zufrieden.

{geklickt} Auf den Schwinges des Adlers, einen Blogartikel von Johannes Clair (ihr wisst ja: Vier Tage im November), über sein Hobby, die Falknerei. Ich fürchte, dass ich aus copyright-Gründen keines der Bilder übernehmen kann, aber allein dafür lohnt es sich, rüberzuklicken. An dem Text gefällt mir, dass beim Lesen vorm inneren Auge ein plastisches Bild von den großen, majestätischen Vögeln entsteht.
{geplant} ein paar Termine für die Buchmesse. Ich hätte gerne Judith Holofernes über Du bellst vor dem falschen Baum interviewt, aber sie ist leider schon ausgebucht. Dafür hatten wir einen kleinen, netten DM-Wechsel auf Twitter. Vielleicht frage ich sie, ob ich brennende Fragen per DM stellen darf. Sie bloggt übrigens auch – zuletzt über einen Flohmarkt in Berlin, an dem sie teilnimmt. Von ihrer Art, wie sie Kontakt zu Fans hält, könnte sich so manch ein Promi eine Scheibe abschneiden.

Dubellstvordemfalschenbaum300

Klett-Cotta hat mir als Trostpflaster für den unmöglichen Interviewtermin das E-Book zukommen lassen und ich freue mich darauf, es bald hier vorzustellen.

 

[Lesebericht] Philipp Kerr: Der Wintertransfer

PhilipKerrWintertransferkleinScott Manson ist der Co-Trainer der Mannschaft des Erstligisten London City, der in einem Stadion, das Crown of Thorns heißt, beheimatet ist. Wer sich ein bisschen im englischen Fußball auskennt, weiß, dass dieser Mann Weihnachten nicht genießen kann, weil die Premier League keine Weihnachtspause kennt. Dieses Jahr ist alles noch komplizierter für Scott, weil sein Chef ermordet wird. Er muss seinen Posten übernehmen und am besten noch vor der Polizei und der Presse den Täter ausfindig machen.

Der Thriller ist in der ersten Person aus der Sicht von Scott Manson verfasst. Diese Figur flucht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und bedient sich einer Umgangssprache mit teils sarkastischem und teils ironischem Unterton. Unser Erzähler hat alles andere als eine glatte Biographie, aber er ist ein guter Trainer oder gibt sich zumindest Mühe, einer zu sein. Neben seiner Tätigkeit als unfreiwilliger Hobbysherlock muss er auch noch seinen ehemaligen Chef ersetzen.

Neben der Premier League, einigen Ligakonkurrenten, Kollegen; Spielerfrauen (hirnamputiert!) und anderen Fußballakteuren (die ja alle ihr Stück vom Kuchen wollen), kriegen auch ganz andere (manche würden sagen: ähnliche) Organisationen wie die Mafia ihr Fett weg. Die spielt später auch noch eine entscheidende Rolle. Überhaupt ist Geld das Schmiermittel Nummer 1 im Fußballgeschäft. Nebenbei vergleicht Kerr viele seiner Nebenfiguren mit fußballerischen Vorlagen aus dem echten Leben, Auch Robert Enke bleibt nicht unerwähnt. Ihm und anderen Spielern wird so ein Denkmal gesetzt. Überhaupt enthält der Thriller viele Anspielungen auf legendäre Tore und Szenen. Eine Nebenfigur, die mir besonders im Gedächnis geblieben ist, heißt Christoph Bündchen und kommt aus Deutschland. Auch er schleppt ein Geheimnis mit sich herum. Wer sich in der Premier League besser (als ich) auskennt, wird sicher viele Parallelen zu Vereinen, Spielern und Stadien entdecken.

Die Handlung beginnt damit, dass Scott nach einem längeren Prolog, in dem ein Teil des oben erwähnten abgehandelt wird, nach Hause kommt. Er trifft dort nicht nur auf seine Freundin Sonja, sondern auch auf seinen Kumpel Matt. Er hat früher mit Scott in einer Mannschaft gespielt und ist einer der Verlierer des Systems Fußball…

Philipp Kerr (*1956) ist Arsenal-Fan und New-York-Times-Bestseller-Autor. Beim Lesen hat man jedoch eher den Eindruck, dass er vom Fußball in die schreibende Zunft gewechselt hat, weil er so viele Anekdoten anbringen kann.

Der Wintertransfer ist das perfekte Weihnachtsgeschenk für jeden Fußballfan. Damit lässt sich die Bundesligawinterpause vom 21.12.15 bis zum 21.1.16 sinnvoll verkürzen.

Kerr, Philipp (Übers.: Merz, Axel): Der Wintertransfer. Stuttgart: Tropen Verlag 2015. (Link zum Verlag)

Das Presseexemplar wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Welchem Verein habt ihr euer Fanherz geschenkt?

Schleichende Veränderungen bei Instagram?

Ich muss gestehen, dass mir Instagram seit einer Weile nicht mehr so viel Spaß wie am Anfang macht. Mir fehlt der Sinn für „zufällig“ drapierte Kosmetikartikel, Oatmealschalen, Smoothies, Edelwasserflaschen und Ikeabettwäsche. Ich folge anderen Literaturbloggern, um zu sehen, was sie gerade lesen. Außerdem gibt es viele tolle Accounts über Handlettering.

Dieser Artikel von Laura Ewert in der Welt Online macht deutlich, warum Instagram nervig bis latent gefährlich sein kann.

Die Hipster Barbie @socailitybarbie hält der Instagramgemeinde den Spiegel vor und stellt typische Posen nach und nimmt in den captions den üblichen #hashtagirrsinn aufs Korn.

Mir fiel der Artikel wieder ein, als ich gestern auf heise.de las, das Instagram es jetzt Unternehmen möglich macht, Werbung zu schalten.

Auf dem Businessblog von Instagram wird erklärt, dass jetzt 4 neue Arten von Posts für Werbung zur Verfügung stehen:

  • Landscapephotos – vermutlich Bilder in einem Format wie 16:9, damit wird der Standard der quadatischen Bilder aufgeweicht.
  • Marquee – ein Premiumprodukt, dass Inhalten eine größere Reichweite verschafft
  • 30-Sekunden-Spots – statt Bildern
  • Optimierungstools, die Kampagnen auf Facebook und Insta miteinander verbinden

Ich befürchte, dass wir Blogger bzw. Instagramer, die keine Werbung bezahlen, damit aus den Newsfeeds unserer Fans und Leser verdrängt werden. Bei Facebook ist es ja mittlerweile üblich, dass Beiträge von Seiten nicht mehr so richtig in den Newsfeeds der Fans angezeigt werden. Bleibt abzuwarten, ob es bei Instagram auch die Option „Im Newsfeed anzeigen“ wie bei den Facebookseiten geben wird.

Artiel Insta2 - Kopie Artikel Instagram3 - Kopie

Mögt ihr lieber stocknüchterne Bilder von Büchern, Büchern, Büchern und noch mehr Büchern oder gefallen euch die Dekosachen besser? Gebt ihr gerne einen Einblick in euer perfekt gestyltes Leben oder könnt ihr keine Oatmeals mehr sehen?